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Reiner Lichtenscheidt - A 467 - o.T. - 1998, Acryl/Papier - 41,5 x 35 cm

Reiner Lichtenscheidt: Brüche - Umbrüche II


Das Museum Villa Erckens zeigte vom 13. März bis zum 03. Mai 2009 Werke des Neusser Künstlers Reiner Lichtenscheidt.

Malen, sich ein Bild machen - das ist Meditation und Aktion zugleich.

Reiner Lichtenscheidts Bilder sind keine im Detail vorgedachten Äußerungen. Sie entstehen im Prozeß – bilden sich heraus. Fließend wird das frei, was man rational nicht schildern kann. Die Bildträger, wie Leinwand, Holz und Papier, sind seine Resonanzräume. Hier bringt er „atonal“, an keine Tonart gebunden, seine Kompositionen ein, ohne sich dabei einer festgeschriebenen Partitur zu unterwerfen. Denn er macht vorab keine Skizzen, das Hauptwerk entsteht unmittelbar, ist einmalig, unwiederholbar, auch für ihn.
Er „bearbeitet“ die Malgründe mit gestischen Pinselhieben und kraftvollen Spachtelzügen, setzt Zeichen, die trotz ihrer tiefen Schwärze von kalligraphischer Anmutung sind. Partielle Übermalungen lassen auf zuvor im Untergrund befindliche Notate und Arbeitsspuren schließen.
So wirkt auch das Zurückgenommene, das Latente noch nach.

Der Künstler verfügt über einen individuellen Kosmos an Formen und Zeichen. Damit stellt er seine subjektive Weitsicht vor, die niemals konstruiert erscheint, sondern sich im Fluß des Malprozesses selbst organisiert. Aus schnellen Markierungen, informellen Farbmalen, pastosen Schlieren und fragilen Linien wächst und wird das „Wesentliche“. Mensch, Natur und Kreatur, alles ist mit allem verbunden. Fremdes und Vertrautes, Unruhe und Stille, erdhafte Melancholie und luftige Leichtigkeit – Reiner Lichtenscheidts Arbeiten leben von dieser elementaren Polarität – der Ko-Existenz des Gegensätzlichen.

 

Reiner Lichtenscheidt - A 353 - Black Nude - 1997, Acryl/Öl/Lw. - 110 x 223 cm

Auf changierender Helligkeit malt er dunkle figurale Gebilde, archetypische Formen oder mystische Zeichen, die er absichtsvoll „ausbluten“ läßt – d.h., die frisch aufgetragene Farbe tropft ab. Werden und Vergehen. Vanitas, die Metapher für den Lauf des Lebens ist hier versinnbildlicht.

„Es ist die Faszination des Entdeckens – das noch nicht Gekannte und nicht Gekonnte zu erfahren“, sagt Reiner Lichtenscheidt. Damit begründet er seinen Anspruch auf Vielfalt. Diese, sich selbst verordnete Freiheit hat zu seinem großen OEuvre geführt, das bei aller Unterschiedlichkeit von Materialität und Spiritualität sehr „eigenartig“ ist.

Malen, sich ein Bild machen, das ist Meditation und Aktion zugleich. Nachdenken, weiterdenken in unbegrenzten, imaginären Räumen. Die Balance halten, damit die Widersprüche des Lebens kompensierbar bleiben.

 

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Reiner Lichtenscheidt

 

REINER LICHTENSCHEIDT
An der Obererft 39
41464 Neuss
Telefon 02131 - 45368

geboren 1938 in Wuppertal,
Studium an der Werkkunstschule Wuppertal,
Schüler von Wolf Vostell,
lebt als Maler und Graphiker in Neuss


 
 

Museum Villa Erckens
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41515 Grevenbroich
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